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Wie geht es weiter? - Perspektiven nach Hartz IV

Seit dem 1. Januar 2005 sind gemäß Hartz IV Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammen gelegt und die Betreuung der Empfänger des neuen ALG II neu geregelt worden. Auch die Arbeitsloseninitiative Gießen ist von den Neuerungen und Kürzungen betroffen und konnte zeitweise nur einen Teil ihrer Angebotspalette aufrecht erhalten.

Die ALI hat in der Vergangenheit erfolgreich insbesondere Unterstützungs- und Hilfsangebote für Langzeitarbeitslose entwickelt und durchgeführt. Eine spezielle Zielgruppe waren diejenigen, deren Chancen und Ausgangsbedingungen besonders gering waren. Sie dürfen auch in Zukunft nicht übersehen oder übergangen werden. Deshalb möchte die ALI auch unter den neuen Rahmenbedingungen ihre niedrigschwelligen Angebote zu Gunsten der Betroffenen aufrecht erhalten und weiter entwickeln. Die ALI steht für:

  • Wege aus der Arbeitslosigkeit,
  • neue Wege in der Arbeitslosigkeit,
  • professionelle Beratung und Qualifizierung,
  • Projekte, die von Arbeitslosen entwickelt und umgesetzt werden,
  • Kreativität und Kultur,
  • den Dialog zwischen Arbeitslosen, Beschäftigten, Gewerkschaften und Kirchen,
  • den Brückenschlag in die Betriebe, Parlamente und die Verwaltung.

Die Angebote der ALI sind unverzichtbar! Wenn es sie nicht mehr gibt, wird es für die Schwächsten der Schwachen noch schwerer, sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren! Die hier aufgeführten Verbände und Institutionen forderten deshalb: Die gute Arbeit der ALI muss weitergehen!

 

Statement von Herrn Prof. Dr. Dieter Eißel:

Lieber Herr Kunkel, Lieber Christoph,
Es ist schon schlimm, dass die Politik die Lasten der Arbeitslosigkeit auf die Arbeitslosen selbst ablädt und aus den Opfern der schon seit 20 Jahre andauernden Krise Schuldige machen will. Nicht anders ist es zu verstehen, wenn die irrige Vorstellung herrscht, dass durch Kürzung der Unterstützungsleistungen Druck zur Arbeitsaufnahme ausgeübt werden soll, wobei doch klar ist, dass dadurch keine neuen Arbeitsplätze entstehen.
Jetzt sollen auch noch die Initiativen beseitigt werden, die bisher vor allem den Schwächsten geholfen haben, mit den Problemen der Arbeitslosigkeit fertig zu werden und durch angepasste Qualifizierungen bei Bewerbungen zu unterstützen. Die Arbeitsloseninitiative ist eine unverzichtbare "niederschwellige" Institution, die tatsächlich geholfen hat. Ich unterstütze daher die Erhaltung der ALI Gießen und wünsche der Aktion den notwendigen Erfolg.
Viele Grüße
Prof. Dr. Dieter Eißel
Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen

Statement von Herrn Bernhard Brantzen, Caritasdirektor:

Zur Notwendigkeit von Initiativen in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit
Wer die Arbeitslosenzahlen für den Landkreis und die Stadt Gießen betrachtet weiß, dass jede Initiative notwendig ist, damit Menschen eine sinngebende und existenzsichernde Beschäftigung und damit eine Zukunftschance haben. Es ist eine illusorische Vorstellung zu meinen, dass 17 % arbeitslose Menschen in einer wirtschaftlich strukturschwachen Region - selbst wenn sie dazu in der Lage wären - einen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Initiativen wie ALI erbringen einen wichtigen und stabilisierenden Beitrag, dass in dieser Situation Menschen dennoch eine Perspektive gewinnen. Gleichzeitig entlasten sie die ökonomisch schwierige Situation der Region. Gerade kleine Initiativen haben die Chance, flexibel und unmittelbar auf Situationen zu reagieren. Sie wie viele andere Initiativen zu erhalten muss Ziel auch über den 01.01.2005 muss für alle Beteiligten Ziel sein.
Gießen, 19.06.2004,
Bernhard Brantzen, Caritasdirektor

Statement des PARITÄTISCHEN:

Lieber Herr Kunkel,
Leider kann ich mein Statement am 24. Juli nicht persönlich vortragen, da ich mich dann im Urlaub befinde.
Die hohe Arbeitslosigkeit in unserer Region nimmt nicht ab. Die verschiedene Instrumente der Arbeits- und Sozialverwaltung, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, reichen bei weitem nicht aus, um das Problem zu lösen. Meldungen über Firmenpleiten, über Stellenabbau in der öffentlichen Verwaltung, im Handel und im Gewerbe häufen sich. Immer mehr Menschen sind über längere Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen.
Arbeitslosigkeit wird verwaltet. Dabei fällt allzu oft unter den Tisch, dass mit der Arbeitslosigkeit ein individuelles Schicksal verknüpft ist, dass Arbeitslosigkeit oft eine persönliche Krise hervorruft, Perspektivlosigkeit einsetzt und Wege zur Problemlösung erschwert werden. Hier setzt die ALl an. Sie ist Anlaufstelle, hier werden Kontakte. geknüpft, Tips und Unterstützung bei Bewerbungen gegeben, es werden Kurse angeboten, die die Stärkung des Selbstwertgefühls ins Zentrum setzen und nicht zuletzt Hilfen gegeben, um materielle Not zu lindern (der preiswerte Mittagstisch).
Diese Angebote sind in Gefahr, weil die Zuständigkeiten durch Hartz IV neu geregelt werden und in diesem Zusammenhang das Sozialamt seine Zuwendungen streicht. Die Angebote der ALl sind, auch wenn Hartz IV in Kraft tritt, weiterhin notwendig. Daher muss die Weiterarbeit der ALl finanziell abgesichert werden. Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband, Kreisgruppe Gießen, möchte auf diesem Wege der Arbeitsloseninitiative Gießen seine Unterstützung zusichern.
Alles Gute und viele Erfolg
Gabriele Mangold, Regionalgeschäftsführerin

Statement des Diakonischen Werks Gießen:

Die Arbeitsloseninitiative Gießen - ALI - zu unterstützen und auf ihre Notwendigkeit zu verweisen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit, denn
ALI - diese Abkürzung steht in Gießen seit über 18 Jahren für gute Information, Unterstützung, Vertretung und Hoffnung
ALI - unterstützt viele Menschen in ihrer Lebenskrise "Arbeitslosigkeit" ganz individuell und macht sich zum Sprachrohr für Sie
ALI - muss auch in Zukunft eine Chance haben, diese wichtige Arbeit weiterzuführen und mit seiner fachlich guten Arbeit und der vorhandenen Flexibilität Menschen in unserer Region zu unterstützen.
Gießen, den 1. Juli 2004
Holger Claes
Leiter Diakonisches Werk Gießen

Statement des Evangelischen Dekanats Gießen:

Für die ALI Aktion am 24. 07.2004:
So lange es unserer Gesellschaft nicht gelingt, allen erwerbsfähigen Menschen eine Arbeit anzubieten, so lange sind Initiativen wie die ALI notwendig. Sie verdient deshalb im Interesse der Bertoffenen unsere Unterstützung. Es scheint mir in der Sache sinnvoll und moralisch geboten, dass arbeitslosen Menschen in Gießen diese Möglichkeit zur Perspektiventwicklung erhalten bleibt.
Dekan Frank-Tilo Becker
Evangelisches Dekanat Gießen

katholisches DekanatStatement des Katholischen Dekanats Gießen:

Notwendigkeit und Wichtigkeit der ALI:
Wer arbeitet hat ein Recht auf Lohn, steht an vielen Stellen der Bibel. Vielen wird Arbeit vorenthalten, das kann nicht Recht sein.
In der Arbeit übt der Mensch einen Teil seiner, nach dem Bilde Gottes gegebenen Mitarbeit an der Schöpfung, Wirklichkeit aus.
Die Arbeit ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Arbeit. Die ALI ist ein Ort, an dem der Mensch im Mittelpunkt steht.
Dekan Jan Mäurer,
Pfarramt St. Thomas Morus

Logo Stadt GießenStatement der Frauenbeauftragte der Stadt Gießen:

Unterstützung der ALI Gießen
Sehr geehrter Herr Kunkel, lieber Christoph Geist,
liebe, sehr verehrte ALI -Engagierte,
da ich heute an Eurem Aktionstag leider nicht teilnehmen kann, grüße ich Euch herzlich und solidarisch auf diesem Weg.
Als Selbsthilfeorganisation seit Ihr eine bedeutender Baustein im lokalen Netzwerk zur Unterstützung von Arbeitslosen und Arbeitsuchenden im Gießener Raum. Mit Unterstützung der Gewerkschaften, der örtlichen katholischen und evangelischen Kirche sowie der Stadt Gießen aber auch einer wohlwollenden Begleitung des Direktors der Agentur für Arbeit in Gießen, Hans Bernhard Baumstieger, sind Eure Angebote und Eure Arbeit, die Ihr bereits seit 18 Jahren als Verein leistet für viele, die aus Erwerbszusammenhängen heraus gefallen sind, ein lebenswichtiger Ort der Begegnung und damit der Vermeidung von Isolation und der Entwicklung gemeinsamer Perspektiven. So trägt Euer Angebot dazu bei, Chancen zu erhöhen, auch für Langzeitarbeitslose, zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Eure Initiativen, z. B. das Gartenprojekt und das Projekt "Skulpturen für Gießen" stehen exemplarisch für ein Gelingen der großen beiden Arbeitsbereiche "Zukunftsperspektive Arbeit" und "Überlebensstrategien in der Arbeitslosigkeit".
Ihr seid Vorbild für die, die ihre Sache selbst bestimmen und selbstverantwortlich in die Hand nehmen. Gerade in Zeiten zunehmender Erwerbslosigkeit gewinnt Euer Verein an Bedeutung und ich bin davon überzeugt, dass sich viele mit mir im Gießener Raum dafür engagieren, dass Eure Arbeit keine existenzielle Gefährdung erfährt.
Ihr macht eine ermutigende, gesellschaftspolitisch wichtige Arbeit!
Soweit das in meinen Kräften steht, werde ich mich gemeinsam mit Bündnispartnerinnen und Bündnispartnern in Gießen und im mittelhessischen Raum für die Erhaltung der städtischen Zuschüsse einsetzen.
Dem Aktionstag wünsche ich, dass er in Gießen und über die städtischen Grenzen hinaus Gehör findet und dass die damit verbundenen Ziele realisiert werden.
Eure
Ursula Passarge, Frauenbeauftragte

Stiftung AnstossStatement der Vorsitzende der Anstoß-Stiftung Frau Ingeborg Lich-Gömmer:

Das niedrigschwellige Angebot der ALI ist in Gießen weiter notwendig.
Allein in der Stadt Gießen sind durchschnittlich ca. 4500 Menschen arbeitslos. Sie fallen nicht auf, man nimmt sie nicht wahr. Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme gibt und Hilfe nicht notwendig ist. Arbeitslosigkeit ist die - oft nicht genannte und erkannte - Ursache vieler Mängel, Störungen, Probleme und Krankheiten.
Die ALI steht auch dafür, dass arbeitslose Menschen ein Recht auf Hilfe und Unterstützung haben und brauchen. Die ALI bietet Beratung und Qualifizierung, Treffpunkt und Kommunikation. Gerade weil Arbeitslosigkeit keine Stimme hat, werden die niedrigschwelligen Angebote der ALI in Gießen weiter dringend gebraucht.
Ingeborg Lich-Gömmer
Vorsitzende der Anstoß-Stiftung

DGB MittelhessenStatement des Vorsitzenden der DGB-Region Mittelhessen Ernst Richter:

Von Fordern und Fördern wurde geredet. Fordern statt Fördern ist angesagt. Mit der Verabschiedung von Hartz IV kommt das Arbeitslosengeld II. Damit beginnt die staatlich verordnete Enteignung der Arbeitslosen, die seit mehr als 12 Monate keinen Job mehr haben. Gleichzeitig sollen die davon betroffenen Menschen jeden ihnen bundesweit angebotenen Job annehmen, egal welche Qualifikation sie zuvor erworben haben und wie viel Geld sie dafür erhalten. Somit ist der modernen Variante des Deutschen Arbeitsdienst Tür und Tor geöffnet. Wir marschieren gerade in eine andere Republik.
In diesen Zeiten ist die Arbeit der Arbeitsloseninitiativen wichtiger als denn je. Arbeitsloseninitiativen sind solidarische Selbsthilfegruppen, die auf die Unterstützung in der Gesellschaft und auf die Förderung durch die öffentliche Hand angewiesen sind. Doch gerade jetzt der Umsetzung der Hartzgesetze besteht die Gefahr, dass die Arbeitsloseninitiativen finanziell ausgetrocknet zu werden. Auch die ALI ist in ihrer Existenz bedroht, weil die kommunalen Kassen leer sind und in den neuen gesetzlichen Grundlagen kein Platz für die Förderung von Selbsthilfegruppen vorhanden ist.
Die mittelhessischen Gewerkschaften werden sich hierfür einsetzen, dass den mittelhessischen Arbeitsloseninitiativen von den zu gründenden Jobcentern die Möglichkeiten eröffnet werden, für die angedachten Betreuungs- und Beratungsangebote als Auftragsarbeiten zu übernehmen.
Aber was wir brauchen ist eine andere Politik. Eine Politik, die nicht die Arbeitslosen sondern die Arbeitslosigkeit bekämpft. Eine Politik für Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Eine Politik, die die Arbeit der Arbeitsloseninitiativen fördert. Und wer denn sagt, es sei kein Geld dafür da, dem antworten wir: Warum nicht das Vermögen in der Bundesrepublik erfassen, damit die Vermögensteuer wieder erhoben werden kann. Spätestens mit dem Versand des Fragebogens für den Bezug des ALG II gibt es keinen Grund mehr, nicht auch Vermögen zu erfassen.
Ernst Richter
Vorsitzender der DGB-Region Mittelhessen

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